Meine Weightloss-Story

Wenn ich ehrlich bin muss ich ganz schön aus meiner Komfortzone kriechen um über dieses Thema zu schreiben. Ich hab zwar sonst eine große Klappe, aber darüber zu schreiben und es auf meinem Blog zu posten ist nochmal eine ganz andere Nummer. Und ich habe mich dazu entschlossen auch Bilder zu posten und das nicht nur vom „Nachher-Resultat“, sondern eben auch wie es davor aussah. Es ist nicht schön und ich kann es mir mittlerweile auch nicht mehr annähernd schön reden. Aber ich bin sicher, dass einige von euch das Gefühl kennen.

Kurz zu meiner Vorgeschichte. Ich war ein sehr zierliches Kind, hab Ballett getanzt und war immer sehr aktiv. Super schlank dazu und ein Fliegengewicht. Und dann stieß mich die Pubertät in einen Abgrund. Ja etwas dramatisch, aber ich kann es nicht anders sagen. Ich habe mich in letzter Zeit mal zurück erinnert und ja, es begann alles in der 4/5 Klasse und das war genau das Alter, wo bei mir die Transformation zum Pubertier startete.

 

Essen wurde plötzlich noch leckerer, der Fernseher immer interessanter als der Spielplatz. Und zack, lief ich mit einer kleinen Plauze durch die Gegend. Ich hab das damals nicht so realisiert, wie soll man auch? Mit 11 hat man nunmal andere Dinge im Kopf. Von der 7 bis zur 9 Klasse fand mein Gewicht bis dato seinen Höchstpunkt. Bevor ich im zweiten Halbjahr der 9 Klasse für 6 Monate nach Australien ging wog ich 90 Kilo auf ca. 165 Zentimeter. Ich traute mich schon gar nicht mehr auf die Waage.

Dann die Überraschung: statt wie die meisten in Australien zuzunehmen, nahm ich ab. Und das rasant und vorallem: ungewollt. Ich erwischte eine Gastfamilie die selber auf ihre Ernährung achtete und demnach kochte. Was zuerst doch gar nicht schlecht klingt, war es im Nachhinein doch. Meine Gasteltern waren der Meinung mein 14-Jähriges Ich einfach ernährungstechnisch mitzureißen. Abgesehen davon waren wir sowieso nicht wirklich auf einer Wellenlänge, weswegen ich bis heute glaube dass da auch viel emotionaler Stress reinspielte. Ich war dann irgendwann bei 70kg angekommen, unglaublich! Ich wechselte die Gastfamilie und war den letzten Monat in Australien sehr glücklich. Prompt nahm ich bei der neuen Gastfamilie 5 Kilo zu und die ernährten sich nicht annähernd ungesund, sondern sehr bewusst und ausgewogen.

Naja, das halbe Jahr war vorbei und ich wieder zu Hause. Und ich lechzte geradezu nach dem Essen was ich von früher kannte. Ich weiß nicht was sich mein Kopf dabei dachte, aber mein Körper schien die mangelnde Nahrung der letzten 6 Monate in ein paar Wochen wieder aufholen zu wollen. Und es begann die Phase in der ich selbstständiger wurde, was auch selber kochen inkludiert. Leider habe ich mich nie mit angemessenen Portionen auseinandergesetzt und kochte gerne mal für 3 Personen statt für eine.

Mein Problem waren nie zuckerhaltige Getränke oder Süßigkeiten. Mein Steckenpferd waren Nudeln, Reis und Kartoffeln: und das alles andere als in Maßen. Hinzu kam meine Krüschheit, die mich einen großen Abstand zu Gemüse halten ließ (und auch immernoch lässt).

Bis ich 17 Jahre alt war, brachte ich wieder stolze 90kg auf die Waage und was noch viel schlimmer war: Tendenz steigend. Ich sah das Elend und fühlte mich absolut machtlos. Jeglicher Abnehmversuch scheiterte spätestens nach 5 Kilo. Ich hatte aufgegeben und als die Waage dann 95kg zeigte, weigerte ich mich, mich in Zukunft drauf zu stellen. Fotografieren ließ ich mich nicht mehr und wenn ich vorm Spiegel stand, redete ich mir einen verdammten Mist ein. Und plötzlich sah ich mich nicht als fett (entschuldigt den Ausdruck, aber so war es nunmal), sondern als maximal etwas moppelig. Aber was man verdrängt kommt trotzdem irgendwann an die Oberfläche.

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Wenn ich also mal wieder eine meiner Down-Phasen hatte, war mein Essverhalten und Aussehen auch nicht gerade aufheiternd. Ich war zu der Zeit in Therapie wegen Überlastungsdepressionen, resultierend aus zu viel Stress den ich mir selber gemacht habe und hartnäckigem prokrastinieren.

Die Therapie half, ich hatte weniger schlechte Tage und zunehmend das Gefühl mein Leben im Griff zu haben. Also brachte ich das Thema Abnehmen zur Sprache. Vielleicht konnte mein Therapeut mir ja auch dabei helfen. Und wir fingen an zu reden. Viel zu reden. Ich glaube es war eins der Themen, wo selbst er verhältnismäßig viel geredet hat.

Was ich endlich verstanden habe, und zwar nicht nur oberflächlich, ist, dass es sich beim Projekt „Abnehmen“ um nix handelt was mal eben schnell erledigt ist. Es reicht nicht es oben auf meine ToDo Liste zu schreiben. Es wird lange dauern und ich soll mich nicht unter Druck setzen.

Daraufhin fand ich durch Zufall eine Facebookgruppe die sich mit dem Thema befasst hat und zu einer kostenlosen App gehört: Yazio. das Konzept des Kalorienzählen kannte ich schon von Lifesum, aber ich hoffte die Gruppe könne mir nochmal einen Extra Schub Motivation geben. Und das tat sie. Zusätzlich starteten zwei Freunde von mir ebenfalls mit Kalorienzählen und ich sah die Ergebnisse. Ich las noch das Buch „Fettlogik Überwinden“ und dann fing die Sache an zu rollen. Und zwar richtig.

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Die ersten zwei Wochen waren harter Tobak. Ich hatte ständig Hunger, riss mich aber am Riemen. Ich musste von diesen großen Portionen weg. In den zwei Wochen schlief ich abartig schlecht, hatte mindestens zwei stressbedingte Heulkrämpfe und schrie einmal meinen Vater an, ich wolle jetzt nur einen großen Teller Nudeln mit Pesto essen, ich könne es aber nicht wegen dieser beschissenen Abnahme (das war bei einem dieser Heulkrämpfe).

Wer sagt Abnehmen ist leicht lügt, oder ist kein Mensch. Es ist simpel, super simpel, aber niemals leicht. 

Nach den ersten paar Wochen fing es an leichter zu werden. Ich gewöhnte mich daran alles abzuwiegen und auch mein Umfeld gewöhnte sich an meine neuen Ernährungsstrategien. Es war wirklich eine Umstellung. Aber ich hörte nicht auf das zu essen, worauf ich Appetit hatte. Als das schlimmste erstmal vorbei war, waren auch Heißhungerattacken wesentlich seltener. Ich hielt mich an die Kalorien die mir Yazio vorgab und ging viel zu Fuß. Und schon purzelten die Kilos. Ruck Zuck war ich bei 90kg.

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Und der Unterschied zu vorher: ich hörte nicht einfach auf. Es hatte Klick gemacht, ich hatte endlich die Bedeutung hinter einer Ernährungsumstellung verstanden. Meine Therapie war im Sommer vorbei, aber ich machte trotzdem ohne Misserfolg weiter. Das schlimmste war noch die Phase wo ich über einen Monat bei 80kg hing. Folter! Aber es ging weiter. Und ich war zwischendurch essen, habe mehr Burger gegessen als im Jahr davor, nicht auf Popkorn im Kino verzichtet und auch um Mamas tolle Lasagne keinen Bogen gemacht. Und die Kilos purzelten weiter. Zum Ende hin allerdings wesentlich langsamer.

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Heute bin ich bei 76,5kg bei einer Größe von 169cm. Mein Zielgewicht liegt zwischen 60-65kg. Das ist weniger, als ich bisher schon abgenommen habe. Das Ziel ist greifbar und ich bin mittlerweile bei einer Kleidergröße von S/M und bei Hosen bei Größe 40. Das war mit die beste Belohnung. Ich fing an mich wieder attraktiv zu finden, gerne in den Spiegel zu schauen, mich für nichts zu schämen. Und die Reise geht weiter.

Woran es diesmal lag, dass es geklappt hat? Ich hab keine Ahnung. Aber es hat geklappt. Und ich bin so endlos dankbar dafür.

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4 thoughts on “Meine Weightloss-Story

  1. Ich finde es unglaublich toll, dass du über deine körperliche Geschichte so offen schreibst und Bilder dazu zeigst
    Und Hut ab zu deinen bisherigen Leistungen, das ist wirklich beachtlich!

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  2. Glückwunsch zu Deiner bisherigen Leistung und danke, dass Du Deinen Weg mit uns geteilt hast!
    Eine Frage habe ich, wie machst Du das mit Kalorien zählen und auswärts oder bei anderen essen? Also woher weißt Du, wie viele Kalorien Du ansetzen musst?

    Viele liebe Grüße!

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    1. Ist schwierig. Mein Freund zählt auch, deshalb sagt er mir dann die Kalorien wenn er für uns kocht. Ansonsten schätzen oder einfach mal genießen. Wenn ich weiß dass ich essen gehe zum Beispiel, versuche ich einfach vorher so wenig wie möglich zu essen, damit es einfach nichts ausmacht.

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