Abnehmen ohne Waage – Ein Schritt in die richtige Richtung?

Körperwaage? Küchenwaage? Wasserwaage? Ja ich denke, ich muss als erstes auf die Überschrift eingehen. Ich habe sowieso lange überlegt ob ich diesen Beitrag schreiben sollte und ob ich ihn überhaupt schon schreiben kann… Ich habe mich aber schließlich dafür entschieden, da es einige konkrete Gedanken gibt, die ich mit euch teilen möchte.

Wer meine Weightloss-Story gelesen hat, weiß dass ich seit ca. 1,5 Jahren eine ganz schöne Reise zurück gelegt habe. Im März 2017 mit 95kg gestartet, hatte ich mich zu meinem Abiball bei 74kg eingependelt. Das ist ca. 2 Monate her. Nach dem Ball verlor ich allerdings meine Disziplin, meinen festen Tagesablauf und alles was irgendwie beim Abnehmen geholfen hatte. Ich tat mich seit Anfang des Jahres sowieso schon schwer, die Abnahme passierte langsam (wenn überhaupt) und ich konnte es nicht mal auf den Vollmond schieben, da ich genau wusste was ich falsch machte. Zu viele Ausnahmen, zu oft „Mir egal, morgen wieder“ gedacht und zu wenig Kalorienzählen. Das Gemeine ist, da ich das Abnehmen ja durchaus erfolgreich gemeistert habe, konnte ich mir auch nicht mehr einreden, dass es nicht an mir liegt.

Ich nahm wieder drei Kilo zu und befand mich jetzt seit ca. einem Monat konstant bei 77kg. Na immerhin nicht mehr. Und doch griff ich besonders zu Hause schnell nach dem Eis im Tiefkühlfach, oder den Snacks, die noch von meinem Geburtstag übrig waren. Einen Tag war ich dann wieder konsequent, um am nächsten wieder Unsinn in mich rein zu stopfen. Und das mit einem fetten, schlechten Gewissen.

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Es macht mich traurig wenn ich so darüber nachdenke. Meine Abnahme war zwar aus verschiedenen Gründen das Beste was mir passieren konnte und ich möchte nie mehr zurück zu vorher, aber mein Essverhalten ist leider noch gestörter als zu Zeiten wo ich nicht darauf geachtet habe. Mein Kopf berechnet bei vielen Dingen schon automatisch die Kalorien, die Grammzahl und ob das jetzt gut ist oder nicht. Auch wenn einmal die Woche reicht, bin ich jeden Morgen auf die Waage gesprungen. Und auch wenn ich wusste, das Gewichtsschwankungen normal sind, hatte ich immer Herzflattern wenn mal ein Gramm mehr drauf war. Es ist nicht so, dass ich in den Spiegel sehe und mich selbst fett finde. Ich mag meinen jetzigen Körper und ja, ich würde es auch mögen wenn er nochmal 10kg leichter wäre. Es ist die Angst davor zu alten Wurzeln zurück zu kehren. Die Angst vor der 8 statt der 7 ganz vorne. Die Angst die Kontrolle zu verlieren. Der Geschmack von Essen ist Nebensache geworden. Essen ist Nebensache geworden. FRESSEN aber nicht und ja, ich würde eiskalt sagen, dass ich genau das in letzter Zeit viel zu viel betrieben habe. Ich sitze auf der Couch, schiebe mir einen Löffel Schokoladeneis in den Mund und könnte eigentlich darüber heulen.

Und ich frage mich: Wann ist es dazu gekommen? Ist es passiert als Menschen angefangen haben, mein neues Ich hübsch zu nennen? Als sie anfingen mir zu sagen wie beeindruckend sie meine Disziplin finden? Wie stark sie mich finden? Verdammt ja, 1 Jahr war ich stark und es hat sich verdammt nochmal ausgezahlt, aber seit Januar ist es ein täglicher Kampf der mich wirklich müde gemacht hat. Und als dann die Schultage wegfielen und damit auch mein geregelter Tagesablauf, da ging es weiter bergab.

Jetzt ist aber eine neue Komponente dazu gekommen und ich schöpfe wieder Hoffnung. Und nicht nur das, ich schöpfe auch Energie und ein positives Gefühl, was mir schon lange fremd geworden ist. Und ich habe das Gefühl, wieder Kontrolle zu haben und ein Essbewusstsein zu entwickeln.

Wie ihr in den vorherigen Beiträgen gelesen habt, bin ich momentan in Brighton und lebe bei meiner Gastmutter, zusammen mit drei anderen Students. Ab Montag beginnt auch mein Praktikum. Das bedeutet, ich habe wieder einen geregelten Ablauf und vorallem bin ich aus meiner verführerischen Umgebung gerissen worden. Das Beste was passieren konnte. Meine Gastmutter kocht jeden Abend etwas Anderes. Nichts MUSS gegessen werden, aber ich bemühe mich aus Höflichkeit zumindest ein bisschen im Gemüse zu picken, oder die Zwiebeln im Curry zu ignorieren. Jeder bekommt eine Portion, Nachnehmen gibt es nicht. Und ist auch nicht nötig, die Portion reicht völlig aus um satt zu werden. Und das ist ein weiterer Punkt, der mir sehr hilft. Ich höre auf zu essen, wenn ich satt bin. Die Fragen, über die ich sonst innerlich einen kleinen Krieg führe, stellen sich momentan einfach nicht. Eine Erleichterung!

Und ich stelle fest, dadurch dass ich gerne durch die Stadt schlendere und alles gut zu Fuß zu erreichen ist, bewege ich mich mehr. Und das bedeutet ich verbrenne auch mehr Kalorien. Dann ist der zweite Cider und die Cheese Fries die ich zusammen mit Freunden esse, plötzlich gar kein Problem mehr.

Und jetzt zum letzten Punkt, der mich zu diesem Beitrag mehr oder weniger angestiftet hat: Es gibt keine Waage! Da ich nicht selber koche, keine Küchenwaage die mir sagt wieviel Reis (oder sonst etwas) ich esse. Ich muss schätzen, wenn ich überhaupt die Kalorien in meine App eintragen will. Und es gibt keine Körperwaage. Dieser Punkt hat mich zuerst in Schrecken versetzt. Kein tägliches wiegen? Kein Kontrollieren ob ich zugenommen habe? Wie soll das ohne gehen? Und ich muss sagen, noch habe ich keine Antwort darauf. Aber der Gedanke mein Gewicht erst wieder zu erfahren, wenn ich zu Hause bin, versetzt mich in Panik und freudige Neugierde gleichzeitig. Sollte ich tatsächlich abnehmen, so wie es mein Plan ist, werde ich es früher oder später an den Klamotten merken und vielleicht sogar im Spiegel sehen. Aber es nicht runter auf eine Grammzahl bestimmen zu können und vorallem auch nicht zu müssen, hat etwas herrlich befreiendes an sich. Es nimmt irgendwie auch den Zeitdruck raus, denn Aussagen wie „In einer Woche will ich einen Kilo abnehmen.“ oder „Bis Oktober will ich 70kg wiegen!“ kann ich zwar treffen, sie werden mich nur nicht weiter bringen. Und Cheatdays traut man sich gleich viel weniger, denn die Angst dass es sich direkt auswirkt ist noch da, nur die Möglichkeit sich vom Gegenteil zu überzeugen nicht.

Ich schwöre, als mir all diese Gedanken durch den Kopf gegangen sind, sah mein Gesicht ungefähr so aus:

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Aber je länger ich drüber nachdenke, desto mehr sehe ich das Ganze als Challenge an. Und auch als Experiment.

Eine Sache ist mir aber noch wichtig zu sagen und das richtet sich besonders an Abnehm-Newbies:

Wenn ihr mit dem Abnehmen startet, inklusive Kalorienzählen, wiegt euer Essen und von mir aus wiegt euch auch selbst. Zweiteres ist nicht so wichtig wie Ersteres, aber ganz ohne Waage geht es wohl nicht. Der einzige Grund warum ich mir zutraue, das die nächsten paar Monate so zu händeln, ist der, dass ich lange genug streng gezählt und gelernt habe welches Essen wie einzuordnen ist. Ich denke dass es sich dabei schon um etwas Wichtiges handelt und man sich nicht auf sein Bauchgefühl verlassen kann, denn genau dieses Gefühl hat dich die letzten paar Jahre betrogen und dich in die Situation gebracht aus der du jetzt raus möchtest. Der Prozess des „Augen öffnen“ kann lange dauern und besonders am Anfang sehr nervenaufreibend sein, aber er ist notwendig um erfolgreich und vielleicht irgendwann auch entspannt mit der Sache umzugehen. Mein „Augen öffnen“ hatte ich bereits, jetzt geht es daran das Endziel zu erreichen und die Entspannung gleich mit.

Ich werde jetzt also schauen wie es läuft und am Ende berichten was dabei herausgekommen ist. Wünscht mir Glück ❤

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